Punkt 6: Web 2.0 aus Die 20 Punkte über Musik im Web, die Du wissen mußt

Deine Website ist keine Broschüre – sie ist ein Ort, wo sich Menschen
treffen und mit Dir und anderen in Verbindung treten. Nicht?
Na ja, so sollte es sein.
Das Internet befindet sich in der zweiten Phase seiner Existenz. In der alten
Version standen Dokumente im Mittelpunkt. Wenn man darüber sprach, tat
man so, als ob man sich von Ort zu Ort bewegte: Man besuchte eine Seite im
Web, man benutzte den Netscape Navigator, man ging auf den Daten-Highway und die meist assoziierte Aktivität war das Surfen. In der Werbung wurde man gefragt, wohin es heute gehen solle.
Kam man an, las man die Webseite oder betrachtete sie. Manchmal hörte oder schaute man  sich sogar etwas an – womöglich kaufte man auch etwas. Aber man reiste an einen anderen Ort und betrachtete das Dokument, das einen dort erwartete. Anschließend ging man woanders hin.
Das ist Web 1.0.
Web 2.0 bringt ein neues Modell mit sich, das wenig zu tun hat mit Navigationsmetaphern oder dem Betrachten von Dokumenten.
Neue Websites sind Umgebungen, innerhalb deren wir etwas tun. Sie sind kein Dokument. Sie sind das Rüstzeug, womit wir eigene Dokumente kreieren, sie nach eigenen Vorlieben sortieren und in Zusammenhang mit ihnen mit anderen Menschen in Verbindung treten.

Beispiele, die Dir vielleicht bekannt sind (oder sein sollten):
MySpace Social Network, wo es von Bands nur so wimmelt.
Flickr (Mit)Teilen von Fotos.
Facebook Networking, ergänzt mit kommunikativen Anwendungen.
Google Reader RSS-Feed-Leser.
Tumblr Blogs aus (mitunter wild) kombinierten Elementen, so
genannte „Tumblelogs“.
Wikipedia Das gesamte menschliche Wissen in editierbarer Form.
Google Docs Tabellenkalkulation und Textverarbeitung.
Del.icio.us Eigene Lesezeichen anderen zur Verfügung stellen.
YouTube (Mit)Teilen von Videos.
Bloglines RSS-Feed-Sammler.
Writeboard Gemeinsames Erstellen von Dokumenten.
Netvibes Personalisierte Homepage.
Last.FM Personalisiertes Musikerlebnis.
Odeo Erstellen und Austauschen von Audiomaterial und Podcasts.
Streampad Internet-basierter Audio-Player.
MP3Tunes Online-Sicherung und –Archivierung Deiner Musik.
Clipmarks Gemeinsames Sammeln von Web-Ausschnitten (Clipping).
Dropcash Initiieren einer Sponsorenaktion zugunsten eigener Zwecke.
43Things Mitteilen und Austauschen von Zielen und Ambitionen.
Ta-Da-Lists To-Do-Listen.
Twitter Micro-Blog-Dienst, um anderen mitzuteilen, was man gerade
tut.
Backpack Gemeinsames Arbeiten.
Feedburner Personalisierung und Ausbau Deines Feeds.
YouSendIt Große Dateien verschicken, ohne das Postfach zu verstopfen.
Amie Street Musikportal, wo die Popularität den Preis bestimmt.
Wordpress Blogging-Plattform.
Vimeo Teilen und Verwalten von Videos.
Imeem Music Playlist sowie Teilen von Videos und Fotos.
Jumpcut Video-Bearbeitung und –Remix online.
Reddit Teilen von beliebten und kommentierten Links.
PBWiki Bau Dein eigenes Wiki.
GoogleMail Web-Mail-Dienst, der besser als Web-Mail-Dienste ist.
Feed43 Aus jeder Seite einen RSS-Feed machen.
Cambrian House Crowdsourcing Community.
RunFatBoy Erstell Dein eigenes Fitness-Programm.
Diigo Gemeinschaftliches Sammeln und Dokumentieren von
Lesezeichen.
Slideshare Eine Art YouTube für PowerPoint-Präsentationen.
Vox Social Networking durch Bloggen.
Workhack Online-Tafel für To-Do-Lists.
Mog Teilen von Musik durch Blogs.
Ein anderer, aktiver Dienst zum Teilen großer Dateien ist ShareCow.]
Diese und andere Websites bieten ein breites Spektrum verschiedenster Funktionen
– aber sie haben in der Regel Folgendes gemeinsam:
1) Sie ähneln eher Programmen als Dokumenten;
2) Sie sind „social“; sie setzen eher auf Geselligkeit als auf Solo-
Angebote;
3) Sie bieten Umgebungen, in denen man etwas tut;
4) Sie binden Inhalt ein, der von den Usern erstellt wurde;
5) Sie gestatten den Usern, Inhalte zu verwalten und einzuordnen;
6) Sie unterscheiden mit jedem Mal, das sie aufgerufen werden;
7) Sie nutzen RSS-Feeds (keine Sorge – dies wird ein eigener Punkt).
So sieht das Web von heute aus. Das sind einige der Eigenschaften, die Deine
Website verbessern werden. Gestatte den Usern Deiner Website, mit Dir unduntereinander zu kommunizieren. Lass sie den Inhalt zum Teil selbst zur Verfügung stellen – mach die Site zu ihrer Welt.
Als Analogie verwende ich gerne den Plattenladen, der gleichzeitig ein Café ist.
Er ist der Mittelpunkt meiner Gegend. Ich gehe dorthin, um unter Menschen zu kommen, um zu arbeiten, um Musik zu hören, um über Musik zu reden und um Kontakte zu knüpfen. Außerdem kaufe ich manchmal Platten.
Menschen mögen es, irgendwo ihre Zeit zu verbringen, abzuhängen, ihren Platz zu finden, Gruppen zu bilden, gemeinsame Interessen zu besprechen und sich daran zu beteiligen. Deine Website kann Menschen diese Dinge bieten. Legst Du Deiner Website ein Web-2.0-Konzept zugrunde, dann sie ist keine bloße Broschüre mit einer Kasse am Ende. Sie ist ein Ort, wo Menschen hinkommen und ihre Zeit verbringen. Mit anderen Musikfans quatschen. Ihre eigenen Kritiken verfassen. Vielleicht Deine Musik remixen.
Web 2.0 gibt Dir eine Reihe von Tools an die Hand, mit denen Dein Musikgeschäft eine weltweite Anbindung hat. Eine Website auf Web-2.0-Elementen aufzubauen, ist die eine Sache – Du kannst aber auch die oben genannten vorhandenen Web-2.0-Applikationen verbinden, anpassen und verwenden, um mit ihrer Hilfe den Kontakt zur Community herzustellen, um teilzunehmen an der Kommunikation, oder um mediale Inhalte zu erstellen und zu verwalten.
Mit Flickr kannst Du Diashows und Sticker in die Site integrieren. Über Social Networks lassen sich Kontakte knüpfen. Du kannst YouTube-Videos einbinden. Du kannst Musik auf Last.FM hochladen, damit andere sie für sich entdecken und erschließen können, um sie in ihrer eigenen Musiklandschaft zu integrieren.
Backpack kannst Du einsetzen, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten.
Web 2.0 ist nicht die Lösung für all die Problemchen der Musikindustrie mit der Online-Welt – aber es gibt uns eine ständig wachsende Palette von Werkzeugen und ein reichhaltigeres Ideengerüst rund ums Web an die Hand, das die statische Seite des einfachen Web 1.0 hinter sich lässt.

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